Es war das Jahr 1987, als die beiden Geschwister Caroline und Michael ihre eigene Pflegeeinrichtung eröffneten. Noch war Krankenpflege in Deutschland privat organisiert. Der Gesetzgeber ging davon aus: Pflegen, das können nur einzelne Personen. Eine Gesellschaft durfte damals den Dienst am Menschen nicht vollbringen, es sei denn, es war ein Zusammenschluß von mehreren Personen. Die Geschwister, beide ausgebildet , sie als Krankenschwester und er als Krankenpfleger, bildeten also eine Personengesellschaft. Die „Häusliche Krankenpflege C. und M. Biedermann GbR“ war gegründet.

Zunächst bezog man ein Büro in der Jagowstraße 35 in Moabit. Ein selbst lackierter roter VW-Bus wurde als erstes Fahrzeug in den Dienst der Einrichtung gestellt. Zunächst waren auch die beiden Chefs noch aktiv in der Pflege tätig. So führte Michael Biedermann im Sommer 1987 und 1988 noch seine Kundinnen persönlich durch den Charlottenburger Schloßpark, treu dem Unternehmensmotto „Die Würde des Menschen ist unantastbar, im Mittelpunkt der Pflege steht der Mensch.“
Schon damals zeigten die Biedermanns, dass sie auch an der Weiterentwicklung der Pflege mitwirken wollten. Regelmäßig traten sie als Experten auf Kongressen auf, wie bereits 1988 auf einem Ärztekongress in Berlin.

Pflege, das war noch in den 1980er Jahren Familienangelegenheit. Die Eheleute pflegten sich gegenseitig oder wurden von ihren Angehörigen und Kindern gepflegt. Unabhängige Altenpfleger und die Gemeindeschwestern der Kirchengemeinde kümmerten sich um alleinstehende Pflegebedürftige. Wurde der pflegende Angehörige krank, musste ins Krankenhaus eingewiesen werden, wurde der Pflegebedürftige kurzerhand mit ins Krankenhaus eingeliefert und dort versorgt. Das ging solange gut, bis den Krankenkassen auffiel, welche Kosten durch die Doppelversorgung entstehen und die Pflegebedürftigen kurzerhand nicht mehr mit in die Krankenhäuser durften. Es entstand eine Versorgungslücke in der bis dahin ausschließlich häuslichen Krankenpflege.

Auf der Suche nach neuen Modellen kam es zu einer Zusammenarbeit mit der Forschung und Wissenschaft. Gemeinsam mit der Freien Universität Berlin eröffneten Biedermanns bereits im Juni 1989 die erste Krankenwohnung Berlins. Unter der Bezeichnung „Ausgelagerte Häusliche Krankenpflege“ konnten bis zu 8 Personen in der Wohnung vorübergehend versorgt werden. So war es möglich, Pflegebedürftige zu betreuen, auch wenn ihre Angehörigen selbst krank oder einfach im Urlaub waren. Die Erfahrungen aus der Krankenwohnung flossen in die Entwicklung der Pflegegeversicherung ein, bilden die Grundlage für die heutigen Kurzzeitpflegen. Ärger gab es gleich zu Beginn, weil in einem Bericht des „Spandauer Volksblatt“ („Krankenwohnung soll Angehörige entlasten“ vom 22. Juni 1989, Bild) das Wort „können“ in dem Satz „die Krankenkassen übernehmen die Kosten“ fehlte, drohte man vorsorglich mit Entzug der Zulassung. Zum Glück konnte man anhand der versendeten Pressemeldung nachweisen, dass hier lediglich der Rahmen der Pressefreiheit durch die Zeitung ausgenutzt wurde.

Zum 1. Januar 1989 trat das SGB V in Kraft und regelte die Krankenversicherung neu, enthalten war hier auch die Möglichkeit der Nutzung einer Krankenwohnung für bis zu vier Wochen im Jahr, maximal wurden bis zu 1.800 DM übernommen. Mit der Einführung der Kurzzeitpflege als stationäre Einrichtung wurde die Wohnung aufgegeben, da sie die neuen gesetzlichen Anforderungen nicht mehr erfüllen konnte.
Aus der Häuslichen Krankenpflege C. und M. Biedermann wurde inzwischen die „Sozialstation Biedermann GmbH“. Nun durften auch Firmen pflegen. Über eine Zwischenstation in der Weddinger Buttmannstraße 9 bezog man 1997 die Räume im Jüdischen Krankenhaus Berlin, wo sich bis heute der Firmensitz befindet.

Die Suche nach geeigneten Räumen für eine eigene Kurzzeitpflege im Wedding blieben lange ergebnislos, erst 2001 bot sich die Gelegenheit. Die nach der Auflösung einer Station freiwerdende Etage im Haus D des Jüdischen Krankenhauses war lange Zeit Standort der Kurzzeitpflege Biedermann.

Seit mehr als 10 Jahren gibt es nun schon die Gütegemeinschaften für ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen. Den Prüfungen für die jeweiligen RAL Gütezeichen unterzieht sich die Sozialstation Biedermann freiwillig, um die Qualität der Einrichtungen und der Pflege aufzuzeigen.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, auf die kommenden 25 Jahre Sozialstation Biedermann. | Jörg Wachsmuth (Artikel erschienen im PflegeBoten im Jahr 2012)

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